Wenn von Veränderungen des Journalistenberufs die Rede ist, dann gibt es Chefredakteure, die betonen, dass Journalisten keine „eierlegenden Wollmilchsäue“ sein müssten. Aber warum eigentlich nicht? Nur weil sie es selbst nicht sind?
Um nicht missverstanden zu werden: Eine thematische Spezialisierung halte ich für sinnvoll, aber handwerklich sollten wir Journalisten künftig breiter arbeiten können als bisher.
Schon im vergangenen Jahrhundert bekamen Journalisten mehr Aufgaben – Fotografieren oder Layouten kamen bei dem einen oder anderen hinzu. Radiojournalisten mussten ihre Beiträge plötzlich selbst schneiden, von Fernsehjournalisten wurde hier und da gefordert, dass sie ihre Filme auch selbst drehen und bearbeiten.
Nun wäre es ein Irrglaube anzunehmen, die Entwicklung wäre an dieser Stelle beendet. Im Gegenteil. Im Internet kommt nun all das zusammen, was sonst streng getrennt war. Jetzt werden für die Websites der Verlage auch Audio- und Videobeiträge benötigt. Nur: Wer soll die liefern? Wenn‘s nach den meisten Journalisten geht, dann nicht sie selbst. Nein, der Verlag müsse dafür doch zusätzliches Personal einstellen. Nur wie soll das gelingen, wenn auf der einen Seite das klassische Geschäftsmodell der Verlage immer mehr ins Wanken gerät und die Erlöse im Internet eher tröpfeln als sprudeln? Schlimm genug, dass in vielen Häusern separate Online-Redaktionen eingerichtet wurden, wo unterbezahlte Journalisten sitzen, die sich aber wenigstens mit Photoshop und Content-Management-Systemen auskennen. Und wie soll es gelingen im Internet erfolgreich zu sein, wenn die Print-Kollegen die Arbeit der Onliner nicht unterstützen?
In so einer Situation müssen sich die Journalisten verändern. Wobei junge Journalisten im Vorteil sind. Sie haben oft auch in einem Print-Volontariat schon Grundzüge des Multimedia-Handwerks gelernt. Wissen, dass allerdings im Regelfall danach erstmal brach liegt. Was nützt es, ein paar Tage lang gelernt zu haben, wie ein Fernsehbeitrag aussieht, wenn man dieses Wissen dann jahrelang gar nicht benötigt? Wobei ein paar Tage auch nicht ausreichen – hier muss sich auch die Journalisten-Ausbildung verändern!
Erfreulicherweise hat sich aber auch die Technik verändert. Um Audiobeiträge zu produzieren reicht ein Aufnahmegerät, dass in einem handlichen Mikrofon eingebaut ist („FlashMic“), geschnitten werden kann der Beitrag sogar auf einem günstigen Netbook. Die Schnittsoftware kostet nichts mehr. So als hätte Telefunken vor 20 Jahren seine Tonbandgeräte verschenkt. Für einfache Videos reicht eine kleine handliche Kamera – der Umgang damit ist schnell gelernt. Auch einfache Videoschnittsoftware gibt es kostenlos. Wenn nun journalistische Laien voran preschen und Videos drehen und veröffentlichen, dann kommt auch der Journalist nicht drum herum, sich aufs multimediale Arbeiten einzustellen. Die technischen Hürden sind gering. Aber klar ist: Der Beruf des Journalisten erfordert sehr viel mehr technisches Know-How als noch in den vergangenen Jahr. Wer sich dieser Herausforderung nicht stellt, wird ein Problem bekommen.
So lange Radio und Fernsehen noch hohe Reichweiten haben, werden sicher hier noch Spezialisten gebraucht. Aber wenn das Internetangebot einer Lokalzeitung oder einer Zeitschrift erfolgreich sein soll, dann muss es auch multimediale Inhalte liefern. Und die kommen nicht von Journalisten, die nur schreiben und fotografieren können.